Villa Wutke (1925), Ludolfingerplatz 5

Die Villa Wutke am Ludolfingerplatz zählt zu den repräsentativsten Landhäusern der Gartenstadt. Sie wurde 1924/25 nach Entwürfen von Paul Poser für den bekannten Berliner Juwelier Karl Wutke errichtet.

Architektonisch zeigt die Villa Wutke eine für die 1920er Jahre ungewöhnlich repräsentative, neobarock geprägte Gestaltung, die sich deutlich von der Mehrzahl, der vor und nach 1918 in Frohnau entstandenen Landhäuser abhebt. Mit dem ebenfalls neobarocken Bau der Atlantic‑Gesellschaft am Sigismundkorso und der Villa Worch mit ihrer klassizistischen Straßenfassade gibt es jedoch einzelne Beispiele für Gebäude von Paul Poser dieser Architektursprache auch in Frohnau.

Das zweigeschossige Gebäude mit ausgebautem Mansardwalmdach ist auf einem rechteckigen Grundriss errichtet, aus dem auf allen Seiten Erker und Vorbauten hervortreten. Die symmetrisch gegliederte Straßenfassade mit ihrem dreiachsigen Mittelrisalit, der ovale Verandavorbau auf der Gartenseite, die polygonalen Erker und der eingeschossige Küchenflügel verleihen dem Bau eine plastische, vielschichtige Erscheinung. Die Denkmalakte betont den „Zusammenhang von innerer Raumbildung und äußerer Baukörperausbildung“, der für Posers Werk charakteristisch ist. Die amtliche Denkmalbegründung hebt hervor, dass das Haus „wegen seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung und wegen seiner Bedeutung für das Stadtbild denkmalwert“ ist.

Besondere Beachtung verdienen die figürlichen Reliefs an der Fassade. Auf der Gartenseite befinden sich weibliche Figuren, die traditionell als Allegorien häuslicher Tugenden gedeutet wurden. Eine verbreitete Interpretation besagt, sie stünden zugleich für die vier Töchter der Familie Wutke. Nachfahren der Familie haben diese Deutung jedoch teilweise in Frage gestellt. Eindeutig sind hingegen die Bezüge der Figuren auf der Platzseite: Sie halten Uhren und Schmuck in den Händen und verweisen damit direkt auf die Tätigkeit des Bauherrn als Juwelier.

Ausführlicher Text

Im Inneren verfügte das Haus über eine klassisch gegliederte Raumfolge aus Wohn-, Ess- und Herrenzimmer, erweitert um eine ovale Veranda, die sich zur Gartenterrasse öffnete. Die erhaltenen Einbauten – Täfelungen, Balkendecken, Kamin, Einbauschränke – unterstreichen die hohe handwerkliche Qualität.

Noch in den 1980er Jahren war der Bestand des Hauses akut gefährdet. Die Erben der Familie Wutke wollten das Grundstück veräußern, und zeitweise bestand Interesse einer Supermarktkette an einem Abriss und einer Neubebauung. Die Pläne lösten erhebliche Proteste in Frohnau aus und fanden 1986 sogar Widerhall im Berliner Abgeordnetenhaus. Viele Bewohner sahen in der Villa eines der Wahrzeichen der Gartenstadt und wollten ihren Verlust nicht hinnehmen.

Die Rettung gelang schließlich: 1987/88 wurde die damals bereits stark vernachlässigte Villa durch die Lichtwer Pharma AG erworben. Unternehmensgründer Kuno Lichtwer ließ sie denkmalgerecht restaurieren und richtete dort den Firmensitz ein. Die Sanierung gilt bis heute als vorbildlich und wurde 1992 mit dem Berliner „Bauherrenpreis für hervorragende Pflege des Stadtbildes“ ausgezeichnet. Der ehemals ausgedehnte Gartenbereich ist heute deutlich verkleinert und die abgetrennten Grundstücksteile mit weiteren Bauten besetzt.

Die Geschichte der Villa Wutke markiert einen Wendepunkt im Umgang mit dem architektonischen Erbe Frohnaus. Während in den Jahrzehnten zuvor zahlreiche bedeutende Gebäude verloren gingen, zeigte ihr Erhalt erstmals deutlich, dass historische Bauten nicht als Hindernis, sondern als wertvoller Bestandteil der Identität der Gartenstadt verstanden werden können. Heute gehört die Villa zu den bedeutendsten erhaltenen Werken Paul Posers und zu den architektonischen Wahrzeichen Frohnaus.