Ludolfingerweg 35

Das 1911/12 im damaligen Franziskanerweg (heute Ludolfingerweg 35) errichtete Landhaus für den Arzt Prof. Dr. Gustav Rudolphson zählt zu den größeren Wohnbauten, die Heinrich Straumer in Frohnau realisierte.

Im Erdgeschoss war im rechten Gebäudeteil die ärztliche Praxis mit einem separaten Operationsraum untergebracht, während sich die privaten Wohnräume in den übrigen Bereichen entwickelten. Die Grundrissorganisation folgt bereits modernen Prinzipien: eine großzügige Diele, Speise- und Wohnzimmer, Veranda und Terrasse zum Garten sowie funktional getrennte Nebenräume wie Küche mit eigenem Eingang. Im Obergeschoss befinden sich Schlaf-, Kinder- und Mädchenzimmer.

Architektonisch handelt es sich um einen winkelförmig gegliederten Putzbau mit markantem Querdach und brettverschalten, spitz zulaufenden Giebeln. Besonders charakteristisch ist die zum Garten orientierte, halbrund geführte Veranda mit darüberliegender Terrasse, die den Bezug zur Landschaft betont und den Wohnraum ins Freie erweitert. Großformatige, weiß gefasste Sprossenfenster sorgen für eine helle, lichtdurchflutete Innenwirkung und unterstreichen den reformarchitektonischen Anspruch.

Die Geschichte des Hauses ist zugleich eng mit dem Schicksal der Familie Rudolphson verbunden: Der Bauherr fiel 1916 als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg. Der Sohn Ernst Rudolphson betrieb im Haus später eine Tierarztpraxis. Die deutsch-jüdische Familie wurde nach 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt; einzelne Angehörige konnten fliehen, während Johanna Rudolphson – die Witwe des Bauherren – in Auschwitz ermordet wurde.

Ausführlicher Text

Das 1911/12 im damaligen Franziskanerweg (heute Ludolfingerweg 35) errichtete Landhaus für den Arzt Prof. Dr. Gustav Rudolphson zählt zu den größeren Wohnbauten, die Heinrich Straumer in Frohnau realisierte. Der Bau verbindet Wohnhaus und Arztpraxis in einem funktionalen Gesamtkonzept und ist damit ein frühes Beispiel für die Verbindung von Arbeiten und Wohnen im bürgerlichen Milieu der Vorkriegszeit.

Im Erdgeschoss war im rechten Gebäudeteil die ärztliche Praxis mit einem separaten Operationsraum untergebracht, während sich die privaten Wohnräume in den übrigen Bereichen entwickelten. Die Grundrissorganisation folgt bereits modernen Prinzipien: eine großzügige Diele, Speise- und Wohnzimmer, Veranda und Terrasse zum Garten sowie funktional getrennte Nebenräume wie Küche mit eigenem Eingang. Im Obergeschoss befinden sich Schlaf-, Kinder- und Mädchenzimmer.

Architektonisch handelt es sich um einen winkelförmig gegliederten Putzbau mit markantem Querdach und brettverschalten, spitz zulaufenden Giebeln. Besonders charakteristisch ist die zum Garten orientierte, halbrund geführte Veranda mit darüberliegender Terrasse, die den Bezug zur Landschaft betont und den Wohnraum ins Freie erweitert. Großformatige, weiß gefasste Sprossenfenster sorgen für eine helle, lichtdurchflutete Innenwirkung und unterstreichen den reformarchitektonischen Anspruch.

Das Gebäude steht exemplarisch für das bürgerliche Landhaus der Reformarchitektur in Frohnau, das Funktionalität, Wohnkomfort und landschaftliche Einbindung miteinander verbindet.

Die Geschichte des Hauses ist zugleich eng mit dem Schicksal der deutsch-jüdischen Familie Rudolphson verbunden:

Der Bauherr Dr. Gustav Rudolphson war einer der ersten Bewohner der Gartenstadt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Stabsarzt an der Westfront. Am 11. April 1916 starb er an einer Blutvergiftung, die er sich bei seiner Arbeit im Lazarett von Douai zugezogen hatte. Interessanterweise wurde er – der Arzt im Offiziersrang – nicht vor Ort auf einem Soldatenfriedhof bestattet, sondern nach Frohnau überführt und hier in der noch heute existierenden Grabstätte auf dem Friedhof in der Hainbuchenstraße beigesetzt. Sein Name wurde auch auf dem Frohnauer Gefallenendenkmal (Architekt Paul Poser) von 1922 in der Wiltinger Straße verewigt.

Sein Sohn Ernst wurde nach 1918 ein bekannter Tierarzt mit Praxis im Franziskaner Weg und war in Frohnau während der Weimarer Zeit in Vereinen aktiv. Ihm gelang nach 1933 die Emigration ins britische Mandatsgebiet Palästina. Er starb in hohem Alter 1992 in Jerusalem. Sein Bruder Wilhelm konnte nach Chile emigrieren und gelangte später auch nach Israel, wo er um 1976 in Haifa starb. Die Schwester Margarete Rudolphson floh nach London, beging dort aber 1943 Selbstmord, Die Witwe von Gustav Rudolphson, Johanna Rudolphson, musste das Haus im Ludolfingerweg im Zuge der Arisierung für einen geringen Preis veräußern. Sie wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Stolpersteine im Ludolfingerweg erinnern an Margarete und Johanna.