Jägerhof (1910/zerstört)

Jägerhof, Welfenallee 5-7
Als Ergänzung zum Kasinobau von Hart & Lesser ließ die Berliner Terrain‑Centrale (B.T.C.) schon zu Beginn der Entwicklung Frohnaus ein umfangreiches Wirtschaftsgebäude (auch Jägerhof genannt) nahe dem Bahnhofsplatz errichten.

Die von Paul Poser entworfene Anlage am damaligen Barbarossakorso (heute Welfenallee) bestand aus insgesamt sechs Flügeln. Im Zentrum der Anlage befand sich ein großer Innenhof. Der Bau bot einer Vielzahl von Funktionen Raum: Werkstätten, Wäschereien, Kegelbahnen, ein Eishaus sowie Wagenremisen. Im sogenannten „Tattersall“ befanden sich Boxen für rund 40 Pferde – ein Hinweis auf die Bedeutung des Reit- und Jagdwesens in der frühen Gartenstadt.

Die historischen Fotografien des Jägerhofs zeigen eindrucksvoll, wie sorgfältig Poser diesen Funktionskomplex im Geist des Heimatschutzstils gestaltete. Die Gebäude besaßen steile, weit heruntergezogene Dächer, zahlreiche Gauben, unregelmäßig gegliederte Baukörper und sprossengeteilte Fenster. Der Innenhof wurde durch einen großen Baum geprägt, der die ländliche Anmutung noch verstärkte. Besonders charakteristisch war der große Torbogen zum Barbarossakorso. Die erhaltenen Fotografien belegen die intensive Nutzung: Pferde, Kutschen, Stallpersonal und Jagdgesellschaften vermitteln ein lebendiges Bild des Alltags in der jungen Gartenstadt.

Ausführlicher Text

Der Jägerhof wurde in zeitgenössischen Fachzeitschriften mehrfach gewürdigt. Die Kombination aus rauem Spritzputz, handwerklich betonten Details und dekorativen Elementen wie Reh- und Hirschgeweihen verliehen dem Bau einen unverwechselbaren Charakter.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Teile der Anlage gewerblich genutzt und durch Geschäfte ergänzt. Trotz seines weitgehend original erhaltenen Zustands wurde der Jägerhof 1969/70 abgerissen. Die Entscheidung von Investor, Bezirksplanung und Senatsverwaltung erscheint aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar. Für einen großmaßstäblichen Neubaukomplex – teilweise als „Welfenhof“ bezeichnet – wurde eines der bemerkenswertesten Gebäude der frühen Gartenstadt geopfert. Bezeichnend ist eine damalige Stellungnahme der Verwaltung: „Die Bereinigung des Grundstücks ist in städtebaulicher Hinsicht erwünscht. Das neue Projekt fügt sich in die Umgebung einwandfrei ein.“ Diese Einschätzung erscheint aus heutiger Sicht fragwürdig.

Der hintere Gebäudeteil des Neubaukomplexes besteht bis heute und zeigt die spröde Betonästhetik der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Im Erdgeschoss befanden sich zunächst Supermärkte, später eine Bankfiliale. Der eingeschossige Vorbau wurde in den 1990er‑Jahren umgestaltet und aufgestockt, wodurch er sich heute besser in die Umgebung einfügt. Besonders beliebt ist inzwischen der dort ansässige Eisladen. Dass an diesem Ort einst zahlreiche Pferde untergebracht waren und der Jägerhof zu den charakteristischsten Bauten des alten Frohnau gehörte, wissen heute nur noch wenige.