


Haus Lebius. Das 1911 erbaute Haus Lebius gehört zu den besonders eindrucksvollen Landhäusern Heinrich Straumers in der Gartenstadt Frohnau. Auffällig ist zunächst die ungewöhnlich langgestreckte Bauform, die sich deutlich vom eher kompakten Typus vieler zeitgenössischer Landhäuser abhebt und dem Gebäude eine markante Präsenz im Straßenraum verleiht.
Charakteristisch für den Bau ist das mächtige, durchlaufende Satteldach, das hier – ungewöhnlich für Straumer – als Krüppelwalmdach ausgebildet ist. Diese Dachform erinnert stärker an norddeutsch-niedersächsische Bauernhäuser als an englische Vorbilder, die in Frohnau sonst häufig eine Rolle spielen. Die Dachlinie betont die horizontale Ausdehnung des Gebäudes und bindet auch den langen seitlichen Flügel harmonisch ein.
Die Fassaden werden durch typische, sprossige Fenster gegliedert, die in ihrer regelmäßigen Reihung ruhige, horizontale Fensterbänder bilden. Besonders der langgestreckte rechte Gebäudeteil mit seinen dicht gesetzten Fenstern unterstreicht den funktionalen Charakter dieses Flügels.
Im Inneren organisiert sich das Haus um eine großzügige, zur Straße orientierte Diele, die als zentraler Wohn- und Aufenthaltsraum dient. Eine halbrunde Fensterauslucht mit Sitzplatz lädt zum Verweilen ein und verweist auf die Bedeutung der Diele als kommunikatives Zentrum des Hauses. Von hier aus erschließt sich das Raumgefüge: das Speisezimmer liegt gartenseitig und ist direkt mit der Küche verbunden, die in einem seitlichen Anbau untergebracht ist.
Bemerkenswert und für die Zeit ungewöhnlich ist die klare funktionale Trennung im Grundriss: Schlafräume und Bad befinden sich im langgestreckten Flügel zur Seite hin und sind über einen eigenständigen Flurbereich erreichbar, der durch eine auffallend lange „Besucherbank“ geprägt ist. Auch das Arbeitszimmer ist in diesem Bereich angeordnet.
Auffällig ist zudem der bewusste Verzicht auf ein klassisches, separates Wohnzimmer oder einen Salon. Stattdessen übernimmt die großzügige Diele mehrere Funktionen zugleich – ein Raumkonzept, das modernen Wohnideen der Zeit entspricht und an reformorientierte englische Vorbilder anknüpft.
Insgesamt zeigt das Haus Lebius exemplarisch Straumers Fähigkeit, traditionelle Bauformen mit funktionalen und modernen Grundrissideen zu verbinden. Besonders der langgestreckte Seitenflügel und die ungewöhnliche Dachform verleihen dem Gebäude innerhalb seines Werks in Frohnau eine besondere Stellung. Bauherr war der Journalist und Verleger Rudolf Lebius (1868-1946), der heute vor allem durch seine Auseinandersetzungen mit dem Schriftsteller Karl May in Erinnerung geblieben ist.
Die Sanierung des denkmalgeschützten Baus wurde mit dem Bauherrenpreis ausgezeichnet.