


Forsthaus (Direktorenwohnhaus der Berliner Terrain-Centrale). Der von Heinrich Straumer entworfene Bau am Kaiserpark (Edelhofdamm) diente als Wohnsitz des Direktors der Berliner Terrain‑Centrale (B.T.C.) und wurde zugleich für Verwaltungsaufgaben genutzt. Errichtet 1909-10, war er vermutlich das erste größere fertiggestellte Gebäude der jungen Gartenstadt und gehörte zu einem Ensemble wichtiger Funktionsbauten der B.T.C. nahe der Remstaler Straße.
Die historischen Fotografien des Forsthauses zeigen, dass Straumer hier bereits jene Formensprache nutzte, die seine späteren Frohnauer Landhäuser prägen sollte – allerdings in deutlich repräsentativerer und großzügigerer Ausführung. Besonders prägend waren das große Satteldach, die holzverkleideten Giebel, die kleinteiligen Sprossenfenster und Rankgitter. Die erhaltenen Aufnahmen belegen die handwerkliche Qualität der Ausführung: die präzise gearbeiteten Fensterläden, die bündig in die Fassade eingesetzten Fenster, die feinen Holzdetails an Giebeln und Dachüberständen. Der Putz besaß – wie zeitgenössische Quellen berichten – einen kalkig-grünen Farbton.
Das Innere des Hauses war großzügig und aufwendig ausgestattet. Als Sitz der „Direktion der Gartenstadt Frohnau“ verfügte es über repräsentative Räume, in denen zentrale Entscheidungen zur Planung und Entwicklung des Ortsteils getroffen wurden. Zum weitläufigen Grundstück gehörte auch ein Tennisplatz. Das Gebäude umfasste zwei Etagenwohnungen sowie Wirtschafts- und Personalräume; im niedrigen Seitenflügel des Erdgeschosses befanden sich eine Eingangshalle und ein Amtszimmer.
Besonders interessant ist der im Vorgarten an der Einfriedung stehende Gartenpavillon. Seine barockisierenden Formen, die geschwungene Dachsilhouette und die dekorativen Elemente erinnern eher an die Formensprache Paul Posers als an Straumers strengere Landhausarchitektur. Da Poser zeitweise am Entwurf des Ensembles beteiligt war, ist eine Mitwirkung an diesem Pavillon durchaus denkbar, wenn auch nicht eindeutig belegt.
Nach der Eingemeindung von Frohnau nach Groß-Berlin 1920 verkaufte die B.T.C. das Anwesen. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt, unter anderem als Polizeidienststelle und Kinderheim. Ab 1965 befand sich dort ein Altersheim des Landes Berlin mit neun Wohneinheiten. Dennoch wurde das Haus nicht dauerhaft erhalten: In den 1970er Jahren – vermutlich erst 1979 – wurde das einstige Direktorenhaus der Berliner Terrain‑Centrale zugunsten eines neuen Mehrfamilienhauses abgerissen. Es ist erstaunlich, dass zu diesem späten Zeitpunkt noch der Abriss eines so bedeutenden Baus genehmigt wurde. Mit dem Verlust des Forsthauses verschwand eines der historisch wichtigsten Gebäude der frühen Gartenstadt – jener Ort, an dem die Entwicklung Frohnaus über viele Jahre maßgeblich geplant und gelenkt worden war. Noch stärker als andere verlorene Bauten aus der Frühzeit Frohnaus ist das Forsthaus heute in Vergessenheit geraten.